Schokolade aus Kinderarbeit: Die leeren Versprechen von Nestlé und Co

Fast jede Schokolade im Supermarktregal beginnt mit Kinderarbeit. Warum sich nichts ändert und welche Schokolade ihr guten Gewissens kaufen könnt.

Theyo
ARTIKEL VON Theyo
4. Oktober 2019
Kakaobohnen aus Kinderarbeit
Insbesondere afrikanische Länder haben mit dem Problem der Kinderarbeit zu kämpfen ©Fairtrade Foundation

“Die meiste Schokolade, die ihr kauft, fängt mit Kinderarbeit an.” So brutal beginnt der im Juni 2019 veröffentlichte Artikel der Washington Post, der Kindersklaverei in der Kakaobranche untersucht. Die Recherche-Ergebnisse der Reporter sind erschütternd: In Westafrika arbeiten schätzungsweise 2,1 Millionen Minderjährige auf Kakaoplantagen. Und das obwohl große Schokoladenhersteller wie Nestlé und Mars bereits 2001 ein Abkommen zur Beendigung von Kinderarbeit unterzeichnet haben – das sie bis heute nicht einhalten.
Wir haben den umfangreichen Artikel der Washington Post für euch aufbereitet. Ihr erfahrt außerdem, welche Firmen ihr nicht unterstützen solltet und wie ihr trotzdem guten Gewissens Schokolade genießen könnt.

Kinderarbeit für Schokolade

Auf Kakaofarmen in Westafrika arbeiten Studien zufolge mehr als zwei Millionen Minderjährige. Ihre Aufgaben umfassen die Ernte mithilfe von Macheten, Düngen mit Pestiziden und Tragen schwerer Lasten. Journalisten der Washington Post reisten zu Recherchezwecken in drei Kakaoanbaugebiete der Elfenbeinküste. Die Arbeiter, mit denen sie dort sprachen, waren zwischen 13 und 18 Jahren alt und arbeiteten teilweise seit ihrem elften Lebensjahr auf Kakaoplantagen. Für die harte und gefährliche Tätigkeit bekommen die Jugendlichen weniger als 1 $ am Tag. Sie wohnen in selbstgebauten Hütten im Wald, trinken milchig-weißes Wasser aus einem nahegelegenen Teich und klagen über Hunger.

 

Weniger ist nichts 

Einige der Kinder arbeiten auf den Farmen ihrer Eltern. Um ihre Kinder in die Schule zu schicken, fehlt den Eltern das Geld. Und nicht nur dafür fehlt Geld: Das jährliche Einkommen einer durchschnittlichen Farm an der Elfenbeinküste beträgt gerade einmal 1.900 $. Viele Farmer sind daher gezwungen, ihre eigenen Kinder auf den Plantagen arbeiten zu lassen und weitere Kinder als günstige Arbeitskräfte einzusetzen. Diese Kinderarbeiter werden aus anderen Ländern wie Burkina Faso an die Elfenbeinküste geholt – ihre Eltern bekommen dafür 250 $. Ein Farmer gibt im Interview mit den Reportern zu, dass diese Arbeitssituation “eine Art Sklaverei” ist. Kakaofarmer erhalten für ihre Bohnen allerdings so wenig Geld, dass sie verzweifelt auf günstige Arbeitskräfte angewiesen sind. Auch viele Arbeiter, mit denen die Washington Post sprach, sind verzweifelt und wollen trotz harter Arbeit und schlechter Bedingungen auf den Plantagen bleiben. Dort verdienen sie immerhin etwas Geld. Die Situation in ihren Heimatländern wie Burkina Faso ist noch aussichtsloser.

Kakao aus Kinderarbeit landet in fast jeder Schokolade, die im Supermarkt zu finden ist. Großunternehmen wie Nestlé und Mars kaufen sehr günstigen Kakao ein und können kaum bis gar nicht nachverfolgen, wo dieser Kakao herkommt – geschweige denn auf welcher Farm, von wem und unter welchen Bedingungen er angebaut und geerntet wurde. Bereits vor 18 Jahren, im Jahr 2001, sorgten diese Missstände in den USA für Aufruhr. Warum sich seitdem so wenig getan hat, erfahrt ihr jetzt.

 

minderjährige Kinderarbeiter auf einer afrikanischen Kakaoplantage

Kinderarbeit und Schokolade bedingen sich immer noch ©Raconteur

Das Abkommen

2001 rückten Medienberichte das Thema Kindersklaverei in der Kakaoindustrie in den öffentlichen Fokus. Das systematische und eine ganze Branche durchziehende Problem der Kinderarbeit wurde aufgedeckt. Um juristische Konsequenzen zu umgehen, unterzeichneten Nestlé, Mars und Hershey ein Abkommen. Das Versprechen: Durch gezielte Initiativen und Kontrollmechanismen würden sie die Kinderarbeit im Kakaosektor bis 2005 beenden.

Diese Deadline wurde nicht eingehalten. Im Gegenteil: Bis heute, 18 Jahre nach dem Abkommen, hat sich die Zahl der Kinderarbeiter auf Kakaoplantagen sogar erhöht. Die Initiativen der großen Schokoladenhersteller wirkten eher halbherzig. Eine Maßnahme, die sie seit 2001 ergriffen, bestand darin, mehr zertifizierten Kakao zu kaufen. Hier erfahrt ihr, warum eine Zertifizierung für kleine Farmer nicht möglich ist. Welche Probleme es bei der Kontrolle der Einhaltung von Fairtrade-Kriterien gibt. Und, letztlich, warum ein Siegel leider keine Garantie für Fairness ist.

 

2020 – wieder eine verfehlte Deadline

Dem Ursprung des Problems, beispielsweise viel zu niedrige Preise für Kakao, gingen Nestlé und Co nicht auf den Grund. Laut Washington Post können die Firmen darüber hinaus noch immer kaum nachvollziehen, wo ihr Kakao herkommt. 

Auch die Regierungen vor Ort gehen die Missstände auf Kakaoplantagen nur langsam an. Die Regierung der Elfenbeinküste zum Beispiel, die ebenfalls Unterzeichnerin des Abkommens von 2001 war, hat verschiedene Gesetze verabschiedet, deren Einhaltung aber nicht oder kaum kontrolliert wird. 

Die derzeitige Deadline ist 2020 – allerdings längst nicht mehr mit dem Ziel, Kinderarbeit zu beenden, sondern lediglich um 70 % zu reduzieren. Es wird schon jetzt fest damit gerechnet, dass diese Deadline nicht eingehalten werden kann.

 

Junge erntet Kakaofrüchte, die später zu Schokolade werden

Junge erntet Kakaofrüchte ©Make Chocolate Fair

Der wahre Wert der Schokolade

Wir bei Theyo sind Schokoliebhaber mit Leib und Seele. Und ja, die Missstände in der Kakaoindustrie machen uns traurig und wütend. Wie können Nestlé, Mars und die anderen industriellen Schokoladenhersteller ein Abkommen unterzeichnen und dann fast zwei Jahrzehnte lang scheinbar untätig sein? Wie kann es sein, dass Marketing und Greenwashing häufig darüber hinwegtäuschen, dass Kinder hart arbeiten müssen? Nur damit in unseren Supermärkten Schokoladentafeln für weniger als 1 € verkauft werden. Und wieso hat Schokolade für viele von uns einen so geringen Wert?

 

Konsumenten müssen umdenken

Mit ihrem Geld und ihrer Macht könnten die Großunternehmen Kindersklaverei ein Ende setzen. Voraussetzung wäre allerdings eine ernsthafte Beschäftigung mit den Menschen vor Ort und mit den Ursachen des Problems. Und eben auch eine Verschiebung der Prioritäten. 

Ein Umdenken ist auch in unseren Köpfen notwendig. Was sind uns die Bohnen wert, die an empfindlichen Bäumen wachsen? Die in Schoten liegen und sorgfältig mit Macheten vom Ast getrennt werden müssen. Die zwischen Bananenblättern fermentieren und in der Sonne trocknen. Die über viele tausend Kilometer hinweg zu uns transportiert werden, in aufwendigen Produktionsschritten geröstet, geschält, gewalzt und verfeinert werden? Was ist uns dieses Produkt wert?

 

kleiner Kakaobaum auf Kakaoplantage

junger Kakaobaum ©Tree Owners Club

3 Dinge, die jeder von uns gegen Schokolade aus Kinderarbeit tun kann

Es erscheint wirklich aussichtslos. Große Unternehmen mit starker Lobby und unfassbar viel Geld machen ihr Ding. Was können wir als Konsumenten schon dagegen tun? Wir sind davon überzeugt, unsere große Macht als Konsumentinnen und Konsumenten verantwortungsbewusst nutzen zu können. Wie? So:

 

  1. Informierte Konsumentscheidung treffen. 

    Ihr hört bei bestimmten Marken immer wieder, dass sie im Zusammenhang mit Kinderarbeit bzw. Kindersklaverei stehen? Solltet ihr bei Eurer Recherche zu dem Ergebnis kommen, dass die Vorwürfe korrekt sind, versucht eher Produkte von anderen Anbieter zu konsumieren. Wichtig ist außerdem zu verstehen, welche Marken zu welchen großen Unternehmen gehören. So ist es beispielsweise schwierig auf Anhieb zu erkennen, welche Produkte zu Konzernriesen wie Nestlé gehören. Hier findet ihr zum Beispiel eine Liste deutscher Tochterunternehmen von Nestlé. Derlei Listen sind hilfreich bei der Entscheidung, welche Produkte bzw. Unternehmen ihr unterstützen wollt und welche eher nicht.

  2. Recherchieren und nachfragen.

    Aktiver Konsument zu sein bedeutet, sich nicht auf Werbeversprechen, Siegel usw. zu verlassen. Stattdessen solltet ihr hinter die Fassade der Unternehmen blicken! Welche Werte vertreten sie, wie transparent arbeiten sie, welche konkreten Maßnahmen treffen sie, um Produkte kontrollieren zu können? Im besten Fall erfahrt ihr sogar, welchen Preis das Unternehmen für den Kakao zahlt. So macht es zum Beispiel Raaka Chocolate.

  3. Wenn Schokolade, dann gute.

    Esst bessere Schokolade – geschmacklich und ethisch. Unterstützt kleine Unternehmen, die transparent arbeiten und den persönlichen Kontakt zu Farmern und Produzentinnen pflegen. Schokolade ist kein Billiglebensmittel, es lohnt sich also, etwas mehr Geld in die Hand zu nehmen. Aber Achtung: Teure Schokolade ist nicht unbedingt fair. Bringt am besten in Erfahrung, wie viel Geld tatsächlich beim Kakaofarmer ankommt.

 

Wir bei Theyo haben es zu unserer Mission gemacht, richtig gute und sozial-ökologisch nachhaltige Schokolade zu euch zu bringen. Wir pflegen persönlichen Kontakt zu unseren Partnerinnen und Partnern. Unsere Produkte wählen wir gemäß unserem Codex aus, achten auf sozial-ökologische Fairness, Hochwertigkeit, Handwerk – und natürlich auf die Qualität, die die Schokolade im Mund entfaltet. Gute Schokolade, geschmacklich und ethisch. Klingt interessant? Noch mehr über gute Schokolade, tolle Hersteller und exzellente Aromen könnt ihr bei unseren digitalen Teamevents lernen. Diese bieten wir neuerdings an, um faire und nachhaltige Alternativen zu bestehenden Teamevents zu bieten 🙂 ! 

PS: Zum vollständigen Artikel der Washington Post geht es hier entlang.

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