Wer hat eigentlich die Schokolade erfunden?

Die Frage, wer die Schokolade erfunden hat, lässt sich gar nicht so einfach beantworten. In diesem Blogbeitrag versuchen wir, den verschlungenen Entwicklungsprozess hin zu unserer zartschmelzenden Lieblingssüßigkeit für Euch nachzuzeichnen.

ARTIKEL VON Franzi
17. Juni 2022

Eine Frage, die uns in unseren Tastings gar nicht so selten gestellt wird, lautet: Wer hat eigentlich die Schokolade erfunden? Viele tippen dann auf die Schweiz, andere sagen, Schokolade käme ganz sicher aus Mexiko und manche verorten die Geburtsstätte von Schokolade sogar bei uns in Deutschland. Leider ist aber keine der Antworten richtig, und die Beantwortung dieser Frage gar nicht so leicht. Es kommt nämlich zum einen darauf an, wie wir Schokolade definieren. Und zum anderen war die Erfindung von Schokolade, wie wir sie heute kennen, definitiv eine Teamarbeit verschiedener Nationen.

In diesem Artikel versuchen wir in zwei Teilen, diese Frage so gut es geht zu beantworten. Im ersten Teil sprechen wir über den Ursprung der Schokolade und warum Mexiko oder andere Länder südlich der Vereinigten Staaten oft als Erfinder der Schokolade genannt werden. Im zweiten Teil geht es dann um die Erfindung der zartschmelzenden Tafelschokolade, wie wir sie heute kennen und lieben.

Der Ursprung von Schokolade: Kakao aus Süd- und Mittelamerika

Ein weitverbreiteter Irrglauben ist, dass Schokolade in Mexiko erfunden wurde. Zumindest dann, wenn wir mit Schokolade die leckeren, cremig-schmelzenden Tafeln meinen, die wir heute in jedem Supermarkt kaufen können.

Wahr ist, dass der Kakaobaum in Mittel- und Südamerika beheimatet ist. Der Ursprung von Schokolade im Sinne der Frucht dieses Baumes ist also dort verortet. Sicher ist auch, dass die dortigen Völker die Kakaobohnen weiterverarbeiteten und verzehrten. Dass oft Mexiko als Ursprungsland von Schokolade genannt wird, liegt an den gut erhaltenen Überlieferungen seiner zwei wichtigsten nativen Hochkulturen. Denn sowohl die in Mittelamerika beheimateten Maya (Blütezeit 250-900 n Chr.), als auch die Azteken (Blütezeit 1300-1500 n. Chr.) stellten aus den Bohnen des Kakaobaums ein Getränk her. Das wissen wir so genau, weil die Maya bereits eine eigene Schrift entwickelt hatten und ihr Kakao-Wissen unter anderem in Büchern aus Baumrinden festgehalten haben. Auch fanden Archäologen in noch verschlossenen Maya-Gräbern Tongefäße, auf denen Szenen von Kakaozeremonien eingraviert waren.

Bitteres Getränk statt zartschmelzende Tafel

Das Kakao-Endprodukt der Maya und Azteken hatte aber sehr wenig mit der Schokolade, wie wir sie heute kennen, gemein. Letztendlich eigentlich nur die Hauptzutat, die Kakaobohne. Aus dieser bereiteten die Maya und Azteken ein bitter schmeckendes Getränk zu, das sie mit Gewürzen und Honig verfeinerten. Kakao wurde auch als Brei, Grütze und Pulver verzehrt. Als Tafelschokolade aber noch lange nicht.

Der Kakaobaum ist in Süd- und Mittelamerika beheimatet

Auch gilt mittlerweile als bewiesen, dass es weder die Maya, noch die Azteken waren, die die Frucht des Kakaobaums für sich entdeckten. Denn schon die Olmeken, die als das erste zivilisierte Volk Amerikas gelten, züchteten in ihrer Blütezeit um 1500-400 v. Chr.  Kakaobäume. Und die ersten Hinweise, in Form von dem in Kakao enthaltenen Stoff Theobromin in Tongefäßen, auf den Konsum von Schokolade stammen sogar schon aus der Zeit von 3500 v. Chr. Sprechen wir also von Schokolade als weit definiertes Endprodukt der Kakaobohne, wurde sie wohl bereits vor 5500 Jahren erfunden. Und nicht in Mexiko, sondern in der Region Nordwest-Brasiliens, Peru, Ecuador oder Südkolumbiens.

Schokolade: Ein nationenübergreifendes Projekt

Dass Schokolade ihren Ursprung also in Lateinamerika hat, steht außer Frage. Doch wie wurde das bittere Getränk zu dem, was wir heute unter Schokolade verstehen?

Spanien: Kolonialmacht und Kakaopioniere

Einen wichtigen Beitrag leisteten die Spanier. Während sie emsig ein Land nach dem anderen kolonialisierten und wie eine Plage über Südamerika hinwegfegten, brachten sie auch einige, der alten Welt noch unbekannte Lebensmittel mit nach Europa. So auch die Kakaobohne und mit ihr die Art der Maya und Azteken, sie als Getränk zuzubereiten. Weil ihnen das Getränk aber zu bitter war, mischten sie Zucker und Gewürze wie Zimt und Anis bei. Schnell wurde diese Neuheit der neue Lieblingsdrink des spanischen Hofes. Long story short: Kakao verbreitete sich von Spanien aus auf die anderen europäischen Länder. (Wenn Ihr mehr über die Geschichte der Schokolade erfahren wollt, interessiert Euch vielleicht unser Artikel zur Schoko-Geschichte.)

Hin zur Schokolade, wie wir sie kennen: Über einen Schlenker in die Niederlande

Die Kakaobohne war also zwar mittlerweile in Europa angekommen, aber lange Zeit nur als Getränk verbreitet und wegen seines hohen Preises einkommensreichen Menschen vorbehalten.

Was den Kakao hauptsächlich teuer machte, war seine aufwendige, in Handarbeit vorgenommene Weiterverarbeitung. Der Innovationsboom der Industrialisierung ging aber auch an der Kakaoverarbeitung nicht spurlos vorbei. Ein sehr wichtiger Schritt hin zur Schokolade wie wir sie heute war die Erfindung des Niederländers Coenraad Johannes van Houten. Seine hydraulische Presse stellte eine neue Art, besser lösliches Schokoladenpulver her, die das Anmischen von Trinkschokolade viel einfacher machte. Das teure Getränk wurde somit für alle verfügbar und war nicht mehr nur den Eliten vorbehalten.

Welches Land hat nun die Schokolade erfunden?

Gut, wir waren in Spanien, haben einen kleinen Schlenker über die Niederlande gemacht und kommen jetzt zu dem Land, in dem die Tafel-Schokolade erfunden wurde. Und das ist: England.

Dort, in der Stadt Bristol, eröffnete bereits 1728 die erste europäische Schokoladenfabrik “Fry & Sons“. Mehr als hundert Jahre später kam man dort auf die Idee, das Kakaopulver van Houtens mit Kakaobutter statt Wasser zu mischen. Die zähe Masse wurde dann in Förmchen gegossen und legte den Grundstein für das wir heute als Schokolade kennen und lieben.

Von der schlichten Tafel zur feinschmelzenden Perfektion

In England wurde also die Tafel Schokolade erfunden. Diese hatte aber noch immer wenig mit dem gemein, was wir heute als Schokolade kennen und lieben.

Bei der Perfektion von Schokolade spielte die Schweiz mit zwei zentralen Erfindungen eine wichtige Rolle: Zum einen wurde dort die heute beliebteste Schokoladensorte, die Milchschokolade, erfunden. Wichtig war dabei das zuvor von Henri Nestlé, ebenfalls Schweizer, entwickelte Verfahren der Herstellung von Milchpulver gewesen. Diese Erfindung inspirierte den schweizer Schokoladenfabrikant Daniel Peter dann, das Pulver Schokolade zuzugeben. So richtig zufrieden war er damit zwar nicht, es gab ihm aber zumindest einen Denkanstoß, Milch mit Schokolade zu mischen. Er ersetzte dann das Milchpulver mit Kondensmilch und traf damit total ins Schwarze: Die neue Schokoladensorte war von Anfang an ein Hit! Milchschokolade wird heute jedoch mit Milchpulver, nicht Kondensmilch hergestellt. Peters erste Intuition hat sich also letztendlich doch bewährt.

Kakaobohnen und ihr Endprodukt Schokolade

Und die erste Schokolade in Deutschland?

Auch wenn wir heute einen immens hohen pro Kopf Verbrauch an Schokolade haben: Deutschland spielte lange Zeit in der Herstellung von Schokolade keine sonderlich große Rolle.

Aber der Hype um die exotische Leckerei ging natürlich auch an Deutschland nicht vorbei. 1706 baute Prinz Wilhelm von der Lippe eine der ersten Schokoladenfabriken in der Nähe von Hannover. Die erste Schokolade in Deutschland wurde also wahrscheinlich in Hannover hergestellt. Und als älteste, heute noch produzierende Schokoladenfabrik gilt die 1804 gegründete Halloren-Schokoladenfabrik in Halle an der Saale.

Die Erfindung von Schokolade: Ein “internationales Gruppenprojekt”

Die Erfindung von Schokolade lässt sich also keinem bestimmten Land zuordnen. Und die erste Tafelschokolade kommt aber weder aus Mexiko, noch der Schweiz oder Deutschland, sondern aus England.

Übrigens sind die größten Schokoladenproduktproduzenten heute in den USA beheimatet und der weltweit meiste Kakao stammt aus Westafrika angebaut und nicht Lateinamerika. Ein trauriger Nebeneffekt der Entwicklung von Schokolade zum Massenprodukt ist, dass Kakao heute zum Großteil in Monokulturen angebaut wird. Diese Art des Anbaus zerstört die lokalen Böden und schädigt zusammen mit dem Einsatz starker Pestizide die lokalen Ökosysteme. Außerdem sind die Arbeitsbedingungen dort meist alles andere als fair und fern jeglicher internationaler Standards.

Genau deshalb ist es so wichtig, beim Konsum unserer liebsten Leckerei darauf zu achten, wo die Bohnen herkommen und unter welchen Bedingungen sie hergestellt wurde. Wenn Ihr Euch die langwierige Suche nach feiner und fairer Schokolade sparen wollt, schaut gerne einmal in unserem Schoko-Shop vorbei. Die Schokoladen bei uns im Shop sind alle nach dem Bean-to-Bar Prinzip hergestellt und somit ganz sicher fair und nachhaltig – und lecker sowieso! 🙂

Ihr wollt noch mehr über die Geschichte von (feiner) Schokolade, über die Aromen und wie Ihr Schokolade richtig probiert? Dann könnte ein Schoko-Tasting als Teamevent genau das richtige sein.

 

 

 

 

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