Bean-to-Bar

Was ist eigentlich Craft Chocolate?

Was ist eigentlich Craft Chocolate?

The Craft of Chocolate

Der Beginn einer jeden Schokolade hängt an einem Kakaobaum. Doch bevor die Kakaobohnen es tatsächlich in Eure Lieblingstafeln schaffen, liegt bereits eine lange Reise hinter ihnen. Denn Kakaoanbau, Farm-Management und der Nachernte-Prozess sind nicht nur sehr aufwendig, sondern haben einen entscheidenden Einfluss auf die Aromen im Endprodukt. Und während bei Industrieschokolade eben dieser Einfluss häufig geradezu weg geröstet wird, liegt bei Craft Chocolate-Herstellern:innen der Fokus unter anderem darauf, auch diese Besonderheiten in der Schokolade herauszuarbeiten. Genauso wie beim Wein, spielen bei der Aromenentwicklung von Schokolade viele Aspekte wie Genetik, Terroir sowie Herstellungsprozess eine große Rolle. Um all dies mit einzubeziehen, stellen Craft Chocolate-Hersteller:innen ihre Schokolade von der Bohne bis zur Tafel – also from Bean to Bar – selbst her.

kakaobaum mit schote


Die „Big Five“ der Schokoladenproduktion

Leider gibt es die „Big Five“ nicht nur im Tierreich, auch in der Schokoladenproduktion gibt es 5 große Hersteller: Nestlé, Mars, Mondelez/Kraft, Mars und Cadbury (inzwischen Teil der Mondelez-Gruppe). Ihre Macht spiegelt sich einerseits in ihrer weltweiten Omnipräsenz wider, andererseits darin, dass sie die weltweite Schokoladenproduktion nicht nur in den Supermarktregalen, sondern auch beim Kakaoabsatz beherrschen. Dies bedeutet, dass sie insbesondere auf westafrikanische Kakaobohnen eine Art Monopol besitzen. Darüber hinaus kontrollieren sie oft die Bedingungen, unter denen Kakaobohnen angebaut, geerntet und verarbeitet werden. Leider ist diese Kontrolle keinesfalls positiv im Sinne von Fair Trade oder nachhaltigem Anbau. Ganz im Gegenteil dazu, führt diese Kontrolle zumeist vor allem dazu die Lebensbedingungen der Kakaobauern zu verschlechtern und Kinderarbeit zu befeuern. Während sich die Herstellung von Industrieschokolade also vor allem durch intransparente Lieferketten, Preiskampf und niedrige Qualität auf allen Ebenen auszeichnet, sieht dies bei Craft Chocolate ganz anders aus.


Craft Chocolate Makers: die Revolutionäre in der Schokoladenbranche

Der Herstellungsprozess von Craft Chocolate beginnt bei der ungerösteten Kakaobohne. Sie wird transparent und direkt von den Kakaofarmern bezogen und in (vergleichsweise) kleinen Mengen zu Schokolade verarbeiten. Hierbei liegt der Fokus – neben der fairen Beschaffung – vor allem darauf, die feinen Aromen der Kakaobohnen herauszuarbeiten. Ebenso wie der Begriff ‚Bean-to-Bar‘, zielt auch der Begriff ‚Craft Chocolate‘ darauf aus, dass die Schokoladen in Handarbeit von der ungerösteten Bohnen bis zur fertigen Tafel – unter Wahrung größtmöglicher Transparenz – schonend weiterverarbeitet werden. Um die eben erwähnte Transparenz überhaupt herstellen zu können, arbeiten Craft Chocolate Makers in der Regel mit Single Plantation, Single Region oder Single Origin Kakaobohnen. Dies hat nicht nur den Vorteil, dass die Herkunft der Schokolade nachvollzogen werden und dadurch faire Arbeitsbedingungen unterstützt werden können. Es geht hierbei ebenso sehr darum, dass die besten, feinsten und besonders seltenen Sorten gefunden und verarbeitet werden. Hierbei kommen zumeist Edelkakaobohnen zum Einsatz.

craft chcocolate

Wann hat die Craft Chocolate Revolution begonnen?

Bereits in den späte 1970er und frühen 1980er Jahren begann ein langsamer Shift im Konsumentenverhalten hin zu mehr fair und transparent gehandelten Lebensmitteln. Erste Weltläden, GEPA sowie Fairtrade waren nur die ersten bekannten Initiativen, die sich frühzeitig mit derlei Lieferketten-Thematiken befassten. In diesem Zusammenhang starteten auch erste Schokoladenhersteller:innen ihre Herstellungspraktiken fairer und transparenter zu gestalten. Ein wichtiger „Player“ in diesem Kontext war der Schokoladenhersteller Scharffenberger. Er setzte in den späten 1990er Jahren von San Francisco aus das Craft Chocolate Movement in Bewegung. In Europa zählten unter Anderem Zotter oder Willie’s zu den frühen Anhängern von fairer und nachhaltig-hergestellter Schokolade. Die frühen 2000er markierten dann endgültig den Beginn der Schokoladen-Revolution. Insbesondere in den USA fühlten sich viele Hersteller von Scharffenberger inspiriert und gründeten eigene Craft Chocolate-Manufakturen. Die bekanntesten sind hierbei wohl TAZA, Askinose, Patric, Amano uvm. Ab 2010 schwappte der Bean-to-Bar-Ansatz über in andere Ländern und seit 2015 gibt es weltweit von Jahr zu Jahr mehr Hersteller:innen von fairer und feiner Schokolade. Besonders erfreulich ist auch, dass es mehr und mehr ‚Ursprungs-Hersteller:innen‘ gibt, also Herstellerinnen und Hersteller, die im Land des Kakaobohnenursprungs Schokolade produzieren. Spannende Beispiele hierfür sind Kuna, Marou, MIA und Menakao. Diese Hersteller:innen stellen häufig sogar selbst Schokolade von ihren eigenen Kakaoplantagen her und nennen sich deshalb ‚Tree-to-Bar‘-Hersteller. Ein tolles Beispiel für einen sehr interessanten Hersteller ist bspw. Soklet.


Warum Ihr Craft Chocolate essen solltet?

Kurz zusammengefasst: weil industriell-produzierte Schokolade schlecht für die Menschen und für die Umwelt ist…und nicht zuletzt auch für Eure Geschmacksnerven! Für die meisten Craft Chocolate-Hersteller:innen geht es hingegen darum, einen positiven Einfluss auf Mensch und Natur zu haben. Sie versuchen durch direkten Handel und faire Löhne Kinderarbeit auszuschließen und durch besonders seltene, alte Sorten besonders spannende Aromen zu erzeugen und durch die Nutzung die Sorten zu erhalten und damit Biodiversität zu unterstützen.
Craft Chocolate interessiert Euch voll die Bohne? Wie wär’s mit einem schokoladigen Teamevent oder Firmengeschenk? 100% lecker, fair und nachhaltig!

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