CCN51 – die größte Bedrohung für Biodiversität im Kakaoanbau?

Die resistente Kakaobohnensorte CCN-51 bedroht die Biodiversität der Kakaowelt weltweit. Wie und warum – erfahrt Ihr hier!

ARTIKEL VON Theyo
17. September 2021
ccn51 gegen biodiversität

CCN-51 ist eine besonders ertragreiche, resistente Kakaobohnensorte, die für die Schokoladenindustrie angebaut wird. Insbesondere in Gebieten, wo viele Kakaobäume von der Krankheit ‚Witches‘ Broom’ befallen waren, wird die kranheitsresitente Sorte vermehrt angebaut. Sie sichert den Bauern große Ernten und somit eine sichere Lebensgrundlage. Ist CCN-51 also der Heilsbringer der Edelkakaowelt? Während CCN-51 (Colección Castro Naranjal 51) auf den ersten Blick extrem attraktiv klingt, sind Branchenexperten gespaltener Meinung. Die Mehrheit zeigt sich jedoch besorgt, angesichts der hohen Produktion einer einzigen Sorte und dem einhergehenden Verlust der Biodiversität…

Was genau ist CCN-51 eigentlich?

Der Pilz mit dem lustig-anmutenden Namen ‚Hexenbesen‘ (Witches’ Broom) ist ein verheerender Erreger mit großem Appetit auf Kakaobohnen. Im zwanzigsten Jahrhundert erlebte der Pilz (mal wieder) einen Höhepunkt und legte teilweise große Kakaogebiete mit seinem Befall lahm. Homero Castro war es schließlich, der in den 1960er Jahren dem Kakao-Schrecken ein vermeintliches Ende setzte: mit der Entwicklung des Kakao-Hybrids CCN-51. Ab den 1990er Jahren war der sehr produktive, krankheitsresitente Hybrid schließlich die dominierende Kakaosorte in vielen Kakaoanbau Regionen Ecuadors. Inzwischen geht man von einem Anteil von knapp 40 % aus. Und genau hier liegt das Problem!

ist ccn51 eine bedrohung für biodiversität

CCN-51 – a devil in disguise?

Bei der Einführung der produktiven Sorte galt CCN-51 als Rettungsanker, welches das Überleben der Kakaoindustrie vieler Länder sicherstellen sollte. Schnell erkannte jedoch viele den Mehrwert der hocheffizienten Sorte. Statt auf Aromen und Qualität setzte man auf Produktivität. Statt auf Vielfalt wurde auf Potenz fokussiert. Und dies natürlich nicht ohne Grund! Für die effiziente Sorte CCN-51 gab es garantierte Abnehmer:innen und es gab keine Ernteausfälle. Bei Edelkakaosorten riskieren die Kakaoproduzent:innen hingegen Befall, kleine Erträge und haben häufig keine Abnahmegarantie, vor allem aber Lohnausfall bei Ernteausfall. Trotzdem hat Edelkakao einen entscheidenden Vorteil!

Biodiversität statt Monokulturen

Wie so oft im Leben gilt auch bei CCN-51: Man kann nicht alles haben. Zwar liefert der Hybrid konstante und hohe Erträge, allerdings wird er in Monokulturen bei voller Sonneneinstrahlung angebaut. Natürlich gibt es bei CCN-51 auch andere Anbaumöglichkeiten, allerdings bietet sich diese Anbauart für viele Landwirte schlicht an. Das Resultat: der Hybrid zerstört dauerhaft die Bodenfruchtbarkeit, verdrängt andere Sorten und führt zum Verlust von Kakaovielfalt. Und nicht nur das: auch CCN-51 könnte – wenn es zu dominant wird – von Krankheiten befallen werden und schließlich ebenfalls aussterben. Damit wäre wiederum der Kakao weltweit bedroht! Auch kommt CCN-51 gut mit den derzeitigen Klimabedingungen klar. Ob dies in Zukunft allerdings ebenfalls so aussieht, ist völlig unklar.

klima plakat biodiversität

Kakowandel durch Klimawandel?

Extreme Wetterbedingungen und immer stärkere Temperaturschwankungen aufgrund des Klimawandels werden – laut Expert:innen – vermutlich viele Kakaoanbausysteme hart treffen. Insbesondere Systeme basierend auf Monokulturen gelten als besonders gefährdet. Im Gegensatz dazu gelten Agroforstwirtschaftliche Systeme mit alten und einheimischen Kakaosorten als zukunftsweisend und „climate smart“. Sie gelten als besonders anpassbar und positiv für die Umwelt. Agroforstwirtschaftliche Systeme bieten durch Mischkultur die Erhaltung von Lebensräumen und die Verbesserung der Biodiversität. Für die Landwirte ermöglichen Mischkulturen auch eine Diversifizierung ihres Einkommens. Die Diversifizierung verringert die Abhängigkeit von einer einzigen, dominanten Sorte aus Monokultur, die durch nur einen Krankheitsbefall oder einer Wetterkatastrophe – im schlimmsten Fall – komplett zugrunde gehen könnte. Die Aufrechterhaltung eines breiten genetischen Pools hingegen erhöht die Chancen des Überlebens von Kakaobohnensorten weltweit.

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